"Bei Nullwind muß man kräftig rennen. Nicht starten bei Seitenwind (Rotoren durch die hohen Bäume und relativ schmale Waldschneise). Bei schwachen Windlagen bis ca. 10 km/h gehen alle Windrichtungen (Thermik überlagert den überregionalen Wind). Ab Mittag immer mehr Seitenwind aus Süd!"
So steht es auf unserer Vereinswebsite in der Beschreibung für das Startgelände Hausstein. Hat jeder wahrscheinlich schonmal gelesen und sich seinen Teil gedacht dabei. Heute, in einer Zeit, in der unserer Material so weit entwickelt und so gut ist und es für die x-alps Piloten quasi keine Rolle mehr spielt, ob der Wind von hinten oder mit 40 km/h von vorne bläst. Es wird mittlerweile immer gestartet.
Aber es gibt Windlagen, die sind einfach gefährlich am HS. Und man bekommt es am Startplatz leider gar nicht so recht mit.
So war es am vergangenen Wochenende. Nördlicher Wind war gemeldet in der Höhe, am Boden südlich. Tatsächlich hatten wir strammen West. Und bei starkem Westwind wird es heikel. Ist man rechtzeitig dran, dann erzeugt die Sonne, solange sie im Südosten steht, noch ausreichend lokale Thermik, um auch regionalen Wind zu überlagern. Bei ihrer Wanderung nach Süden gewinnt der Westwind aber immer mehr an Dominanz und verbläst die Thermik so stark, dass in der Startschneise gar nichts mehr ankommt. Man steht am Start und da, wo sonst die Bäume rauschen, ist nichts. Nur ab und zu ein schwaches Lüftchen. Die, die in der richtigen Phase doch in die Luft kommen, finden die Thermik dann eher ein Stück weiter draußen. Die Beobachter am Startplatz wundern sich, dass die Schirme gegen West kaum vorwärtskommen. Und am Landeplatz weht ein Wind, dass sich die Bäume biegen. Dass es dann nicht sonderlich angenehm ist in der Luft, kann man sich gut vorstellen.
Gefährlich kann dann der Start werden, sobald die Kappe vom Seitenwind erfasst wird, wenn sie aus der Schneise rauskommt. Ich war in der letzten Zeit Beobachter von 2 solchen misslungenen Startversuchen. Den Piloten ist nichts passiert und die Zuschauer haben was draus gelernt.
Unsere besten Piloten sind immer die ersten, die starten. Natürlich, die fliegen 8 Stunden und brauchen die Zeit für die 200 km. Aber offensichtlich ist das nicht der einzige Grund für den frühen Start.
Und dann gibt es noch die, die wollen auch früh starten, aber haben ihren Gleitschirm so wenig im Griff, dass sie mit ihren mislungenen Startversuchen den ganzen Betrieb aufhalten, bis schließlich kein Wind mehr weht. Also, ich bitte alle um Entschuldigung, die ich aufgehalten habe.
Gestern war ich extra 2 Stunden groundhandeln, um meine Defizite auszugleichen. Ok, vielleicht nicht ganz 2 Stunden, eher eine halbe Stunde. Die restlichen 1,5h hab ich mein Handy gesucht, was ich bei dieser Aktion auf der Wiese verloren hatte. Aber man muss allem auch was positives abgewinnen: so kam ich auch auf meine 10000 Schritte.
So, ich hoffe, das bisher geschriebene ist nicht vollkommener Quatsch und damit kommen wir zu den Piloten, die nach Kössen gefahren sind. Da, wo der Nordwind auch aus Norden kommt.
Max Oberneder und Robert Knödlseder konnten mit Flügen von knapp 150 km und 100 km brillieren. Dabei ging die Reise von Kössen über Lofer, das Weißbachtal entlang bis zum Hochkönig und dann wieder Richtung Osten nach Zell am See bis nach Mittersil. Max ist noch bis nach Krimml weitergeflogen. Die südliche Talseite ging wohl etwas besser zu später Stunde.
Der Moritz konnte sich noch zwischen die beiden schieben. Er war dem Bayrischen Wald treu geblieben und flog in 4:44 h ein FAI von 100 km. Letztes Mal noch mit einem Delta 5, jetzt doch wieder mit seinem alten Rush 6.
Gratulation an die Sieger des vergangenen Wochenendes. Der 5. Platz in dieser 13. Runde bringt uns 14 Punkte. Damit stehen wir auf dem 4. Platz in der Gesamtwertung.
Noch ein kleiner Nachtrag: am Montag und am Dienstag wurde auch geflogen. Und es ging richtig weit. Bernhard hat einen Flug rausgehauen, der ihm wahrscheinlich noch lange in Erinnerung bleiben wird: Am Hausstein gestartet und nach 7:18 h und 164 km am Chiemsee gelandet. Und auch der Robert lies sich nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. Musste er sich am Samstag noch dem Max in Kössen geschlagen geben, so konnte er am Dienstag am Hausstein in 7 Stunden 142 km weit fliegen und fast wieder am Landeplatz ankommen. Beide Flüge waren persönliche Rekorde. Ihr seid alle völlig bekloppt 😘.